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Longhorns trauern um ihren Teamkameraden Sven Weidensee

Noch immer sitzt der Schock tief und nach einer Woche ist es vielen noch immer unbegreiflich, wie es dazu kommen konnte. Der am Montag dem 16.05.2011 verstorbene Sven Weidensee (21) hinterlässt eine große Lücke bei seinen Mannschaftskameraden. Zur Tagesordnung übergehen kann hier sicherlich keiner, soviel steht fest. Aber was ist seitdem in den Reihen der Longhorns passiert, wie unterstützt das Team sich gegenseitig und vor allem die Familie des Verstorbenen in dieser schweren Zeit?

In einem persönlichen Gespräch mit Michael Hap, dem Sportdirektor der Longhorns, konnten wir einige Antworten auf die Fragen finden, die sicherlich jeden in diesen Tagen beschäftigen:

Wie hast du unmittelbar auf den Tod von Sven Weidensee reagiert?

Es war ein kompletter Schock. Es ist das erste Mal, dass wir vor einer solchen Situation stehen, und ich finde dafür keine Worte.

Wie wollt ihr die Familie unterstützen?

Ich und auch alle anderen im Verein werden die Familie in jeder erdenklichen Form unterstützen. Es herrscht Kontakt zum Vater und der Mutter von Sven.

Welche Auswirkungen hat sein Tod auf das Training/ die Saison, und gibt es überhaupt noch so etwas wie eine Tagesordnung?

Der Weg zurück zur Normalität ist sehr wichtig. Vor allem, weil es Svens Wille gewesen wäre. Wir sind der Überzeugung, so viel wie nur möglich richtig machen zu können, und trotzdem wollen wir uns immer noch weiter verbessern in dem, was wir tun.

Wie fangt ihr die Jungs innerhalb des Teams auf, die nicht mit der Situation zurecht kommen?

Wir haben uns zusätzliche Hilfe von Außen geholt. Neben einem Pfarrer haben wir  auch einen Sportpsychologen hinzugezogen, mit dem wir in Kontakt stehen. Außerdem sammeln wir Erfahrungswerte von anderen Coaches. Wir beobachten die Spieler genau um erkennen zu können, wer von ihnen Schwierigkeiten hat, mit der derzeitigen Situation umzugehen.

Bereits am vergangenen Dienstag gab es ein Treffen. Zudem werden viele von uns zu seiner Beerdigung gehen.

Gab es Kritik von außerhalb, z.B. dass American Football als Sportart zu  gefährlich sei?

Nein. Es gibt bei jedem Sport ein gewisses Verletzungsrisiko. Das ist bei Football genauso wie bei beispielsweise Handball.

 

In einem weiteren persönlichen Gespräch mit Daniel Berg, dem Runningback bei den Langenfelder Senioren und Offense Coordinator der Jugend, wurde deutlich, dass er noch sichtlich mitgenommen durch den Tod seines Mannschaftskameraden war:

Wie hast du auf den Tod deines Teamkameraden reagiert?

Es war eine der unfassbarsten Nachrichten, die mich je erreicht haben. Es kam mir so unreal vor und die Zeit stand plötzlich still. Mein Kopf war leer und ich konnte es nicht fassen. Natürlich weiß man, dass jede OP gefährlich sein kann, aber in der heutigen Medizin passieren ja eher weniger Unfälle während einer OP. Ich kannte anfangs ja noch keine Details und wollte einfach nicht wahrhaben, wie ein junger, gesunder Sportler bei einer OP des Unterschenkels sterben konnte.

Wie wollt ihr die Familie unterstützen?

Coaches und Vorstand hatten von Anfang an viel Kontakt zu den Eltern. Details kenne ich nicht, aber alleine die schnelle Einrichtung eines Spendenkontos für die Eltern war eine schnelle und angemessene Reaktion des Vereins. Nächste Woche folgt dann die Beerdigung und ich hoffe, dass wir Svens Eltern mit unserer Anwesenheit ein wenig Unterstützung geben können.

Welche Maßnahmen habt ihr untereinander ergriffen, als der Tod eures Teamkameraden bekannt wurde?

Als uns die schreckliche Nachricht erreichte, haben die Verantwortlichen schnell reagiert und alle Jungs für den nächsten Tag zusammengerufen. Wir waren ca. 60 Spieler und Betreuer und konnten in der Gruppe drüber reden, was war und wie es weiter geht. Das hat sehr gut getan, weil man in einer solchen Situation einfach nicht alleine sein sollte. Außerdem hatten wir das Glück, die Unterstützung eines Geistlichen zu bekommen. Er konnte sich mit den Spielern unterhalten, die es besonders hart getroffen hatte. Ich glaube diese „externe“ Unterstützung war uns allen eine große Hilfe.

Gab es Kritik von außerhalb, z.B. dass American Football als Sportart zu  gefährlich sei?

Sehr vereinzelt hörte oder las man von Sorgen von Eltern, die Svens Tod nun in Verbindung mit Football brachten. Die Verletzung war zwar der Auslöser, aber schlussendlich nicht die Ursache für seinen Tod! Die tatsächliche Ursache steht wohl noch immer nicht fest, die Ärzte vermuten eine unerkannte Stoffwechselkrankheit oder ein Kompartment-Syndrom.

Den American Football als Sportart infrage zu stellen, wäre nicht richtig. Es gibt Verletzungsrisiken, wie bei vielen anderen Kontaktsportarten auch. Wir bemühen uns natürlich um Aufklärung. Letztendlich macht sich dennoch jeder sein eigenes Bild. Ich hoffe nur, dass Svens Eltern, unseren Sport nun nicht „verfluchen“, obwohl ich das in dieser Situation sogar verstehen könnte.

 

Sabine Joch, die zweite Vorsitzende des Vereins, war ebenfalls noch immer fassungslos über die Situation, machte aber deutlich, dass alles daran gesetzt werde, den Tod des Teamkameraden gemeinsam zu verarbeiten:

„Wir versuchen mit Ihnen zu sprechen. Insbesondere die „alten Hasen“ im Football kümmern sich um sie. Ansonsten haben wir die Adresse eines Sportpsychologen bekommen.  Im Moment sieht es aber so aus, als ob die Jungs aus der gemeinsamen Trauer viel Kraft ziehen.

„Am 05.06. zum nächsten Heimspiel der Landesligamannschaft wird es noch einmal ein spezieller Tag zum Gedenken an Sven.

 

 

Wörter: 859

Nadine Fuchs

Kim Reuter